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Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als ich dich von der Züchterin abholte. Fünf Mädchen wart ihr, und von denen kamen vier gleich auf mich zugeschossen, guckten kurz, und gingen dann ihrer Wege. Du nicht. Du hast, als du die Fremde in deinem Zuhause bemerkt hast, erst einmal abgebremst, dich hingesetzt und dir das ganze betrachtet – selbst, als deine Geschwister schon lange wieder unterwegs waren. Und auf einmal hast du dich dann entschlossen zu mir zu kommen – der Anfang einer Liebe fürs Leben.
Was bin ich am Anfang nicht fast verzweifelt, weil du das mit der Sauberkeit nicht verstehen wolltest, dir sogar ein „geheimes Privatklo“ unter der Eckbank im Wohnzimmer angelegt hast – dabei war ich nur zu ungeschickt, dir genau zu zeigen, was ich von dir wollte. Oder als du mir in geduldiger Kleinarbeit die Tapeten von der Wand gezogen hast und ich schon vermutet hatte, du könntest irgendwelche Mangelerscheinungen haben, bis ein Telefonat mit der Züchterin das aufklärte: Sie hatte kurz vorher tapeziert und ihr kleinen durftet mit den Tapeten spielen...
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Gut erinnere ich mich auch noch an mein ungeheures Glücksgefühl, als du das erste mal (sicher unter dem Küchentisch versteckt) deine Beute ausgespuckt hast, nur weil ich es gesagt habe; da hätte ich platzen können vor Stolz auf dich! Und wie oft hast du mir im Laufe deines Lebens dieses Gefühl geschenkt. Ob unterwegs, auf der Arbeit oder bei Prüfungen: Immer hast du alles gegeben, egal was es dich gekostet hat. Habe ich vielleicht sogar manchmal zu viel von dir verlangt und gar nicht bemerkt, wie sehr du dich dafür angestrengt hast??
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Was haben wir nicht alles unternommen, lange Touren, zu Fuß und mit dem Rad, Hundeplatz (und jede einzelne Prüfung mit toller Bewertung, egal ob BH oder WH), Rettungshundeausbildung (du bist sogar die Leitern hoch, was keiner je für möglich gehalten hätte!), sogar bei unserem Theaterstück von der Fachhochschule hast du mitgespielt, dich von Kindern verkleiden lassen, mit dem schwerstbehinderten Pflegekind meiner Eltern selbst dann nicht die Geduld verloren, als er dich einmal in die Nase gebissen hat...
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Was mir aber neben deiner bedingungslosen Liebe am meisten in Erinnerung geblieben ist, das war dein großes Kämpferherz. Noch nicht einmal ein Jahr alt warst du, als ein Schäferhund dich erwischt hat, richtig gepackt hatte er dich. Was war das für ein Schrecken, als du dich auf einmal hingesetzt hast und die Zunge war ritzegrau! Selbst der Tierarzt wusste nicht, ob du diese starken Lungenblutungen überleben würdest. Du aber hast gekämpft, und als am nächsten Tag Fremde in die Wohnung kamen hattest du zwar noch nicht die Kraft, aufzustehen, aber für ein warnendes Knurren hat es noch gereicht, als mir einer die Hand geben wollte! Und wer nun glaubt, diese Sache hätte dir den Schneid abgekauft – weit gefehlt, du hast dir von keinem die Butter vom Brot nehmen lassen, und so mancher große Hund hat sich ganz artig gezeigt, wenn du vorbeistolziert bist. Du hast nie eingesehen, wie klein du bist; und dein Mut war es auch niemals!
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Selbst als die Krankheit begann, dir das Leben wirklich schwer zu machen, hast du immer noch versucht, alles zu geben. Als Glenny kam, hast du ihn mir zuliebe akzeptiert, obwohl du eigentlich gar nicht so für Gesellschaft warst. Und dann kam auch noch dieser Zwingerhusten dazu, den der Hund einer Arbeitskollegin eingeschleppt hatte. Es ging dir wirklich sehr schlecht, und dennoch – du hast gekämpft. In diesem Jahr gingen wir noch einmal auf den Weihnachtsmarkt, wie du es immer so geliebt hattest: Zuerst so, mitten durchs Gewühl (du warst da immer der Meinung, je mehr los, desto besser), dann in meiner Jacke sitzend und die Nase in all die guten Gerüche gesteckt.
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Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir dann meine Schwester besucht. Und irgendwie warst du nervös – hattest du schon gespürt, was kommen würde? Noch heute sehe ich es genau vor mir, wie meine Schwester dich gegen Abend auf dem Schoß hatte und ganz ruhig zu dir sagte: „Pünktchen, ich meine ja mal, es wäre für dich Zeit, dich auf den Weg zu machen...“ In dieser Nacht ging es dir sehr schlecht, wir fuhren zur Tierklinik, du bekamst Spritzen zur Entwässerung, damit du wieder besser Luft bekommst. Es hat aber nicht viel geholfen, und als du dann neben mir lagst und auf einmal Kot verloren hast, wusste ich: Es ist so weit. Ohne Glenny sind wir beide wieder zur Klinik gefahren, und als die Beruhigungsspritze auch deinen starken Willen ermatten ließ, bist du ohne weitere Hilfe in meinem Arm eingeschlafen. Ich habe dich im Garten meiner Eltern begraben, dort, wo du im Sommer immer so gern tiefe Löcher gebuddelt hast.
Aber seither ist kein Weihnachtsfest vergangen, an dem ich nicht an jene Nacht denken musste, in der dein tapferes kleines Herz aufhörte zu schlagen. Ich werde dich immer in meinem Herzen behalten.
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