Ernährung

Die Sache mit dem Fertigfutter

Artgerechte Ernährung ist ein Thema, über das viel und erregt diskutiert wird. Meine Hunde bekamen jahrelang Fertigfutter, und es hat ihnen nicht geschadet. Solche Sprüche klingen vertraut? Nun, in unserem Fall hat das durchaus gestimmt.

Dabei habe ich nie zu den Menschen gehört, die blindwütig irgendein Futter gekauft haben. Schon von Anfang an habe ich mich immer bemüht, ein qualitativ hochwertiges Futter zu finden, habe Marken mit Zucker in den Inhaltsstoffen von vornherein ausgeschlossen und meinte, damit auf der sicheren Seite zu sein.
Dann kamen die Skandalmeldungen zum Konservierungsstoff Ethoxiquin in die Öffentlichkeit, und ich fing an näher zu recherchieren. Und ganz ehrlich, mir wurde zunehmend schlecht als ich erfuhr, was da so alles in den Hundemägen landet. Näher möchte ich hier gar nicht darauf eingehen, darüber bekommt man andernorts genug zu lesen. Ich selbst ging jedenfalls auf die Suche nach einem Futter ohne bedenkliche Zusatzstoffe. Und es war eine mühselige Suche! Denn immer wieder gab es neue Erkenntnisse, was alles tatsächlich schädlich wirkt, die Zusammensetzungen wurden ständig geänder - wie bitte kann es sein, dass ein gestern noch als optimal ausgewogenes Futter angepriesenes Produkt plötzlich doch nicht so toll ist und dafür durch ein neues nun aber wirklich optimal ausgewogenes Produkt ersetzt wird, bis dieses wiederum... Nein, da kann irgendwas nicht stimmen!

Aber immer noch wusste ich mir keinen wirklichen Ausweg aus dem Dilemma, was denn jetzt in der Futterschüssel landen sollte. Und ich wäre wohl heute noch auf der Suche nach einem brauchbaren Futter, wenn nicht meine Hunde selbst gezeigt hätten, was sie brauchen.

Erfahrungen

Es fing mit meinem Umzug an, der für meine beiden durchaus Stress bedeutete; schließlich waren sie ausschließlich unsere damalige kleine 1-ZW gewohnt, die auch ziemlich abgelegen und idyllisch lag, und nun plötzlich wohnten wir in einer 2 1/2-ZW mitten in einer Siedlung... Und als ob das nicht genug wäre - oder vielleicht auch deswegen - infizierten sich meine Hunde, die sonst die Robustheit in Person waren, mit einem Magen-Darm-Infekt. Bei Glenny, sonst der empfindlichere der beiden, verheilte das schnell und gut. Nicht so bei Kaya. Ständig hatte sie laute Bauchgeräusche, wollte unbedingt Gras fressen. Und nichts half.

Was habe ich damals nicht alles versucht. Futterwechsel, Diät mit Hüttenkäse und Reis, Zusätze zur Stärkung der Darmflora - alles umsonst. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Also zur Tierärztin, verschiedene Antibiotika, Magenmedikamente - umsonst. Selbst eine Magenspieglung brachte keine weitere Erkenntnis als “es deutet auf eine Autoimmungeschichte”, versuchen sie es mit Cortison. Muss ich erwähnen, dass auch das umsonst war?

Schließlich meinet unsere Tierärztin, eine überaus praktische Frau: “Jetzt füttern Sie doch endlich roh, egal was es ist, mit gescheiter Fütterung wird der Körper damit schon fertig!” Wie bitte, ich soll einfach selbst rohes Futter zusammenstellen? Aber die Ausgewogenheit? Nun, wie gesagt, unsere Tierärztin ist da sehr praktisch, und antwortete nur mit einer Gegenfrage: “Und nach welcher Tabelle ernähren Sie sich?” Ups, Treffer.

Also habe ich es gewagt, mich im Internet informiert, und von heute auf morgen einfach umgestellt. Denn schlimmer würde es ja wohl kaum werden. Und was soll ich sagen? Seitdem sind die Bauchschmerzen von Kaya Geschichte, höchstens unter großer Belastung taucht da noch mal etwas auf, was dann aber auch nach einmaligem Grasfressen sofort erledigt ist. Endlich Schluss mit den nächtlichen Wanderungen...

Rohfütterung

Der Begriff Barf kommt ursprünglich aus dem englischen und ist die Abkürzung für “bones and raw food”, also “Knochen und rohes Futter”. Ins deutsche übertragen wurde er mit dem Begriff “biologisch artgerechtes rohes Futter”. Beides ist zutreffend. Denn im Grunde bedeutet es nichts anderes, als dass der Hund das bekommt, was er auch von sich aus fressen würde: Rohes Fleisch und Innereien, Knochen, nur bei der pflanzlichen Kost, da muss man etwas mogeln. Denn weder haben wir Magen- und Darminhalt der Beutetiere zur Verfügung, noch sind wir begeistert, wenn unser Hund das ist wunderbar vorverdauter Form aufnimmt - aus Kuhfladen zum Beispiel... Und die wenigsten Hunde dürfen sich draußen einfach an Kräutern bedienen oder Wurzeln ausgraben.

Wie also macht man die pflanzliche Kost für den Hund verdaulich? Zunächst einmal durch pürieren. Eine ganze Karotte etwa wird von vielen Hunden zwar gern geknabbert, aber man sieht am Kot sehr deutlich, dass die groben Brocken einfach durch die Verdauung “durchgerutscht” sind. Durch das Pürieren werden die Zellen der Pflanzen schon zum größten Teil zerstört und die Inhaltsstoffe damit für den Hund nutzbar. Zusätzlich kann man das Gemüse auch einfrieren, schön langsam im normalen Gefrierschrank. Genau das, was man durch Schockfrosten zu vermeiden sucht und was einen im Haushalt oft zum Verzweifeln bringt, ist hier nämlich erwünscht: Durch das langsame einfrieren platzen die Zellwände der Pflanzen, und was das Gemüse so unschön weich und “labberig” werden lässt, hilft dem Hund bei der Verdauung.

Es ist also gar nicht so schwer, und der Lohn sind glückliche und gesunde Hunde. Man muss sich einfach nur trauen!

Häufige Fragen

Ist Rohfütterung überhaupt ausgewogen?

Das kommt auf einen selbst an. So lange man abwechslungsreich füttert, bekommt der Hund alles, was er braucht. Füttert man natürlich nur Steaks, dann wäre das auch für uns Menschen nicht ausgewogen!

Aber mein Hund bekommt so doch nicht täglich alles, was er braucht?

Nein, das tut er nicht. Ich übrigens auch nicht. Und im Grunde ist das auch gar nicht gut, weil dann der Körper verlernt, Reserven anzulegen. So lange man regelmäßig alle wichtigen Inhaltsstoffe bekommt, kommt der Köper damit gut zurecht!

Und wie ist das mit den Vitaminen, wenn das Gemüse gefroren war?

Der Hund bekommt durchaus ausreichend Vitamine. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass der Hund viele Vitamine, die wir Menschen regelmäßig zu uns nehmen müssen (wie etwa Vitamin C) selbst synthetisieren kann.

Bekommt er nicht von Knochen Verstopfungen?

Das kann passieren, vor allem dann, wenn er es bisher nicht gewohnt war, Knochen zu verdauen, oder man es völlig übertreibt. Ist man sich unsicher, kann man am Anfang etwas mehr Öl ins Futter geben nach einer Knochenmahlzeit. Später stellt das eigentlich kein Problem mehr dar.

Und wie ist das mit Geflügelknochen?

Geflügelknochen sind kein Problem, so lange sie 1. roh sind und 2. nicht von einem uralten Suppenhuhn stammen. Sowohl gegarte Geflügelknochen als auch solche von altem Geflügel werden allerdings porös und splittern schnell, so dass man diese lieber nicht verfüttern sollte.

Kann ich jedes Fleisch roh füttern?

Und wie ist das mit Gemüse?

Ich habe gehört, dass Hunde von rohem Fleisch aggressiv werden?

Bekommen sie vom rohen Fleisch nicht Würmer?

Nein. Schweinefleisch sollte man wegen der Gefahr des Aujeszkyvirus immer abkochen. Denn auch, wenn dieser Virus bei uns als nicht mehr vorkommend gilt: Ich weiß nie, ob er von irgendwo wieder eingeschleppt wurde, und für den Hund ist er absolut tödlich.

Auch hier gibt es Einschränkungen. Zwiebeln, Aubergingen, grüne Bohnen, Avocado und rohen Kohl sollte der Hund nicht bekommen. Kartoffeln bitte nur gekocht füttern, bei Nachtschattengewächsen auf die grünen Stellen achten, die enthalten das gitige Solanin. Vorsicht auch bei Birnen und Trauben.

Stimmt. Und dann gehen sie in den Wald, fressen die Großmutter, und Rotkäppchen zum Nachtisch.

Nein. Die Würmer sammeln sie sich viel eher beim Spaziergang auf. Allerdings haben gebarfte Hunde oft eine wesentlich robustere Darmflora und sind damit auch weniger anfällig für Würmer.

Wie ist das mit den Salmonellen?

Beim gesunden Hund überhaupt kein Problem. Wer eine Magensäure hat, die Knochen zersetzt, der hat mit Bakterien keine Schwierigkeiten. Auch wird das Rohfutter im Allgemeinen so schnell und problemlos verdaut, dass Bakterien gar keine Chance hätten, sich anzusiedeln.

Gibt es irgendwo einen Futterplan?

Es gibt Anhaltspunkte. Aber da jeder Hund verschieden ist, muss man auch individuell beobachten, wie viel der eigene Hund braucht und was ihm schmeckt. Eine empfehlenswerte Seite zu diesem Thema findet ihr übrigens hier (oben rechts der Button “BARF&CO”)

Ist es nicht besser, wenn ich das Fleisch generell koche?

Nein. Durch das Kochen verändert sich u.a. die Eiweißstruktur des Fleisches. Und was es für den Menschen leichter verdaulich macht, macht es für die Hunde schwieriger.

So weit ein kurzer Abriss. Wer jetzt glaubt, das wäre vielleicht etwas für die großen Rassen, aber nicht für Zwerge, der kann sich gerne auf der nächsten Seite noch ein paar Bilder angucken!
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