Calming Signals

Der Begriff “Calming Signals” wurde ursprünglich von T. Rugaas geprägt und bedeutet übersetzt so viel wie “Beruhigungssignale”. Das ist eine sehr gute Beschreibung dessen, wozu diese Verhaltensweisen dienen.

In erster Linie geht es dem Hund dabei darum, den durch einen eigenen inneren Konflikt entstandenen Stress abzubauen. In so fern gehören die CS zu den sogenannten Übersprungshandlungen, also Verhaltensweisen, die mit der eigentlichen Situation in keinem direkten Zusammenhang stehen. Viele Hundehalter haben beispielsweise schon beobachtet, dass ihr Hund sich in Stresssituationen plötzlich kratzt. Das hat dann nichts mit Flöhen zu tun, sondern ist eine solche Übersprungshandlung, ähnlich wie bei Menschen, die sich dann ständig an der Kleidung herumzupfen oder durch die Haare streichen. Wir alle kennen solche Verhaltensweisen aus dem eigenen Leben zur Genüge - oder wie viele Knabbersachen isst man auf Parties, weil man wirklich Hunger hat?

Da unsere Hunde nun hoch soziale Lebewesen sind, kommt bei den CS noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu. Hunde lernen nämlich im Idealfall schon sehr früh, diese Zeichen bei anderen Hunden zu erkennen und zu deuten, und so werden sie vom reinen Spannungsabbau zum gezielten Kommunikationsmittel. Dazu hier ein paar kleine Beispiele.

Im ersten Beispiel begegnet Glenny einem gleich großen und gleich starken Rüden - eine Konstellation, die von vornherein einiges Konfliktpotential mit sich bringt. Keiner der beiden möchte als unterlegen dastehen, und so bauen sich beide direkt nebeneinander auf wie um zu sagen “ich hab mal gar keine Angst vor dir!”

Gleichzeitig tun beide aber noch etwas anderes: Glenny dreht die Ohren leicht zur Seite und guckt geflissentlich in die Ferne, obwohl es da gar nichts zu sehen gab. Und der schwarze Mix findet die Gerüche plötzlich offenbar unwiderstehlich - ob es da tatsächlich was zu riechen gab, muss man wohl dahin gestellt sein lassen. Der Punkt ist dabei vor allem das Signal: “Ich suche keinen direkten Streit!” Denn wer streiten will (oder Aggression befürchtet), der lässt seinen Gegner ja wohl kaum so leichtfertig aus den Augen.

Ein weiteres Beispiel; diesmal geht es weniger um die Vermeidung von Aggression, sondern mehr um Vertrauensbildung. Der kleine Cavalier King Charles Spaniel auf dem Foto zeigt deutliche Zeichen von Unsicherheit: Die Rute ist eingeklemmt, der Blick abgewandt, der Kopf gesenkt. Er ist ängstlich und traut der ganzen Sache nicht.

Kaya, sonst eher zickig, reagiert hier mit deutlichen CS. Sie dreht nicht nur die Ohren weg, sondern legt sich ganz entspannt auf die Seite; ein klares Zeichen für den jungen Hund, dass sie in keiner Angriffsstimmung ist und er sich getrost entspannen kann - gefährlich sieht anders aus!
Das ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie wenig diese Signale mit den eigentlichen Zielen des Hundes zu tun haben; Kaya etwa wollte sich hier nicht entspannt hinlegen, sie wollte spielen!

Über diesen Umweg erreichte sie ihr Ziel dann auch. Übrigens griff auch sie im Laufe dieser Begegnung noch öfter zum Schnüffeln als CS, und man kann gut erkennen, wie der ängstliche Junghund darauf reagiert:

Aber nicht nur anderen Hunden gegenüber werden diese Zeichen eingesetzt. Auch im Umgang mit Menschen verwenden Hunde ständig CS, nur werden sie leider oft nicht als solche erkannt und völlig fehlgedeutet. Ein gähnender Hund ist z.B. nur selten einfach müde - klar, ein müder Hund legt sich in aller Regel schlicht und einfach hin und schläft!

In der folgenden Bilderreihe habe ich Kaya einmal aufgenommen, wie sie zunehmend deutliche CS mir gegenüber zeigt. Die Situation war folgende: Sie lag in ihrem Korbstuhl und hatte es sich gemütlich gemacht. Als ich sie von der Wohnzimmertür aus ansprach, war die Welt noch in Ordnung:
(Und bitte nicht die Bildqualität beachten - das Licht war denkbar schlecht, und mir kam es mehr auf den richtigen Moment an als auf Fotoqualität!)

Nun bin ich mit der Kamera näher auf sie zu gegangen, und ihr Konflikt wurde deutlich: Einerseits wollte sie Abstand haben, andererseits aber ihr gemütliches Plätzchen nicht aufgeben. Aggression mir gegenüber wollte sie aber auch nicht zeigen - so mancher Hund hätte in dieser Situation vielleicht einfach geknurrt. So aber verlegte sie sich darauf, ihren Stress immer deutlicher zu zeigen:

Zurückklappen der Ohren und Absenken des Kopfes

Übrigens ist es unter gut sozialisierten Hunden üblich, auf diese Signale entsprechend zu reagieren. Da ich aber kein gut sozialisierter Hund bin und diese Fotos haben wollte, bin ich ihr immer weiter auf die Pelle gerückt:

Abwenden des Blicks

Lecken der Lefzen bei kompletter Vermeidung des Blickkontakts

Und schließlich ein demonstratives Gähnen

Hier kann man sehr gut erkennen, dass es sich nicht um ein genüssliches Gähnen mit geschlossenen Augen handelt, sondern um ein reines Stressgähnen mit geöffneten (und damit leider auch “geblitzten”) Augen.

Und ich muss gestehen - Bilder hin oder her, nach diesem Akt der Verzweiflung habe ich sie dann endgültig in Ruhe gelassen!

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